Pressemeldungen & Statements 2007

Ein Jahr nach Eröffnung: Punktsieg für das Gubener PLASTINARIUM

Am 17. November 2007 jährt sich die Eröffnung des PLASTINARIUMS zum ersten Mal. Plastinator Gunther von Hagens zieht nach einem erfolgreichen Jahr positive Bilanz:

"Als ehemaliges Kind der DDR, dort ausgebildet und nach Westdeutschland als politischer Häftling verkauft, werde ich im Januar 2008 aus Überzeugung Gubener Bürger, weil ich mir zur Konsolidierung meines Lebenswerkes keinen besseren Ort vorstellen kann. Davon überzeugte mich der überraschend große Zuspruch der Gubener Bevölkerung zum PLASTINARIUM, die Körperspende zur Plastination von inzwischen 83 Gubener Bürgern, das große Engagement von mittlerweile 105 Gubener Mitarbeitern im PLASTINARIUM und die Unterstützung der lokalen Politiker, insbesondere die von Bürgermeister Hübner und Landrat Friese. Mit dem jetzt entstehenden Weltzentrum der Plastination wird Guben zur Stadt der anatomischen Wissenschaften. Die ihr damit zuwachsende Internationalität passt zu ihrem Charakter als deutsch-polnische Grenzstadt."

PLASTINARIUM in Guben November 2006 - November 2007

Positive Beurteilung des PLASTINARIUMS durch die Besucher

Insgesamt kamen im ersten Jahr 66 000 Besucher. In einer im Oktober 2007 durchgeführten Umfrage unter eintausend Befragten stellen die Besucher dem PLASTINARIUM ein gutes Zeugnis aus: 92 % der Besucher hat das PLASTINARIUM gut oder sehr gut gefallen und wollen das PLASTINARIUM  weiter empfehlen, 86 % würden ein zweites Mal kommen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Besucher, nämlich 26 %, von Freunden und Bekannten auf das PLASTINARIUM aufmerksam gemacht wurden. Erstaunliche 27 % der Besucher haben bereits die Ausstellung KÖRPERWELTEN gesehen. Der Anteil der Frauen unter den Besuchern ist um 9 % höher als der der Männer.  8 % der Besucher legen Entfernungen von über 500 km zurück, aus dem Ausland kommen 13 % der Besucher, davon 9 % aus Polen.

Das PLASTINARIUM  auf Erfolgskurs
Die anfängliche Aufregung um das PLASTINARIUM hat sich gelegt. Wie auch die Ausstellung KÖRPERWELTEN hat das PLASTINARIUM nicht nur Freunde, sondern auch Gegner. Öffentliche Anatomie polarisiert offenbar; jeder hat eine Meinung dazu, auch diejenigen, die das PLASTINARIUM nie besucht haben und nie besuchen wollen. Dazu gehört der brandenburgische Bildungsminister Rupprecht, der in einem ZDF-Interview am 11.10.07 enthüllte, dass er kein Problem mit Plastinator Gunther von Hagens haben würde, wenn "das was er dort macht, hinter verschlossenen Türen laufen würde. Dann würde das Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze schaffen, und das wäre sehr lobenswert." Diese Einschränkung von Öffentlichkeit, so Gunther von Hagens, verträgt sich nicht mit der vom Grundgesetz garantierten Wissenschaftsfreiheit, die auch die Öffentlichkeit der anatomischen Wissenschaft einschließt. Wenn der Minister im Interview außerdem sagt: "Also ich habe genug gehört und auch gesehen ..., dass ich ihm nicht den Triumph gönnen werde, dieses Haus zu betreten.", so sieht  Plastinator Gunther von Hagens auch in dieser Feststellung ein undemokratisches Öffentlichkeitsverständnis durchschimmern, "das den Eindruck erweckt, der historisch einmalige Schulbann des Ministers würde vornehmlich aus persönlicher Antipathie und einem DDR-nahen Obrigkeitsverständnis gespeist, der an das Westfernsehverbot der frühen DDR-Jahre erinnert."
 
Ein demgegenüber positives politisches Zeichen setzte das brandenburgische Kultusministerium, wenn es das PLASTINARIUM im Juni durch die Befreiung von der Umsatzsteuer "zu einer mit den Museen des Landes und des Bundes vergleichbaren kulturellen Einrichtung" erklärte. Diese Vergleichbarkeit wird vom Gesetzgeber als Voraussetzung für die Umsatzsteuerbefreiung gefordert (Umsatzsteuergesetz § 4 Nr. 20).
 
Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die Meinung in den brandenburgischen Ministerien allmählich der positiven Einschätzung der Bevölkerung und der Politiker vor Ort annähert. Gleiches trifft für die evangelische Kirche zu, die seit der Eröffnung des PLASTINARIUMS auf weitere Protestveranstaltungen und auf die zunächst öffentlich diskutierte Verfassungsklage verzichtete. Gunther von Hagens sieht diese Entwicklung als Zeichen gelebter Demokratie, zu deren Anstandsregeln es gehört, den mündigen Bürger nicht durch Sehverbote zu entmündigen.

Jahreschronik der Ereignisse im und um das PLASTINARIUM
Mitarbeiterzahl
Die Zahl der Mitarbeiter wurde im Laufes des Jahres allmählich auf jetzt 105 gesteigert. In zwei öffentlichen anatomischen Darstellungskursen wurden im Mai und im Oktober Mitarbeiter zu Plastinationsassistenten ausgebildet. Sowohl RTL (Sendung Traumjob) und das ZDF (Sendung Drehscheibe) berichteten darüber.
Zahl der Körperspender
Seit Eröffnung des PLASTINARIUMS hat sich die Zahl der registrierten Körperspender in Brandenburg mehr als verdoppelt. Sie liegt jetzt bei 520, davon 83 Gubener.
Körperspendertreffen im September
Mit 750 Teilnehmern und 54 Pressevertretern demonstrierte das erste Körperspendertreffen in Guben den Geist einer gewandelten Bestattungskultur. Immer mehr Menschen verzichten auf die traditionellen Formen der Erd- oder Feuerbestattung und entscheiden sich bewusst dafür, nach ihrem Tod als Plastinat im Museum medizinische Aufklärung zu leisten. Wissenschaftliche Vorträge zur rechtlichen Situation der Körperspende (Dr. Holger Schmitz, Berlin), zur Situation der Körperspende an deutschen Universitäten (Prof. Redies, Jena) und zur "öffentlichen Leiche im Wandel der Zeit" (Prof. Wetz, Schwäbisch-Gmünd) sorgten für ein hohes wissenschaftliches Niveau der Veranstaltung.
Etablierung eines Körperspendezentrums
Teile des Gebäudekomplexes rund um das PLASTINARIUM wurden für die Annahme verstorbener Körperspender vorbereitet. Die ersten Körperspender sollen dort Anfang 2008 mit dem Bodymobil aus den nördlichen Bundesländern eintreffen. Die verstorbenen Körperspender aus den südlichen Bundesländern werden weiterhin in Heidelberg angenommen.
Anatomiefilme
Im Mai 2007 produzierte der englische Fernsehsender Channel 4 unter Mitwirkung des britischen Roten Kreuzes im Filmstudio des PLASTINARIUMS einen dreiteiligen Fernsehfilm zum Thema Notfallmedizin. Vor wenigen Tagen, im November, folgten Filmaufnahmen zur Anatomie der Fettleibigkeit.
Wirkung bis nach Polen
Insgesamt 8200 polnische Bürger besuchten bis heute das Zentrum der Plastination. Auch der polnische Bürgermeister von Gubin, Herr Bartczak, kam mit Mitgliedern der Gubiner Stadtverwaltung und der Gubiner Tageszeitung in das PLASTINARIUM.
Investitionen
Am Jahrestag des PLASTINARIUMS beläuft sich die Gesamtinvestitionssumme einschließlich Arbeitslöhne auf 9,5 Millionen Euro.

Planungen für das zweite Geschäftsjahr des PLASTINARIUMS
Jan.  2008:   Beginn des Körperspendeprogramms des PLASTINARIUMS
Febr. 2008:   Beginn der Herstellung von Verkaufsprodukten
Apr.  2008:   Beginn des Werksverkaufs von Plastinaten
Juli  2008:   Internationaler Plastinationskongress
Sept. 2008:  Herstellung erster Großtierscheiben (Giraffe, Elefant)
 
 
Guben, 15.11.2007
Pressestelle PLASTINARIUM
Alte Poststraße 26/Uferstraße
03172 Guben

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KÖRPERWELTEN und Nachahmerausstellungen

11. September 2007

Der seit 1995 ungebrochen anhaltende Erfolg der anatomischen Ausstellung “KÖRPERWELTEN. Die Faszination des Echten”, die weltweit als “BODY WORLDS: The Anatomical Exhibition of Real Human Bodies” außerordentlich erfolgreich ist, ruft seit einigen Jahren immer mehr Nachahmer auf den Plan. Obwohl sich Inhalte und Titel dieser Ausstellungen (z. B. „Bodies“, „The Amazing Human Body“, „Body Exploration“, „Bodies Revealed“, „Mysteries of the Human Body“, „The Universe Within” und seit 2006 „Echte Körper“ in Deutschland) auf Gunther von Hagens’ KÖRPERWELTEN-Ausstellungen hinweisen, stehen sie in keinem Zusammenhang mit KÖRPERWELTEN. Sie werden von den Organisatoren der KÖRPERWELTEN weder finanziell noch inhaltlich unterstützt oder befürwortet.

In Deutschland ist seit vergangenem Jahr die Ausstellung „Echte Körper“ des britischen Instituts Prof. Dr. Williams zu sehen. “Echte Körper“ ist eine Nachahmerausstellung dubioser Herkunft, mit Plastinaten von solch peinlich schlechter Qualität, dass sie das Ansehen der von Gunther von Hagens 1995 etablierten öffentlichen Erlebnisanatomie beschädigt. Da die Initiatoren und Eigner dieser Nachahmerausstellung nicht öffentlich auftreten und die genaue Herkunft ihrer Präparate verschleiern, ist die Seriosität der Ausstellung auch deshalb zweifelhaft. Wer für die Ausstellung tatsächlich verantwortlich zeichnet, ist nicht bekannt. Bei Anfragen nach der Herkunft der ausgestellten Präparate wird auf ein nicht näher bezeichnetes Körperspendeprogramm in den USA verwiesen, zu dem es weder auf der Internetseite noch in Pressemitteilungen zur Ausstellung weitere Informationen gibt und das sich trotz intensiver Nachforschungen nicht recherchieren lässt. Auch persönliche Bemühungen von Gunther von Hagens in seiner Funktion als Gastprofessor der New York University, Dental College, der deswegen anatomische Kollegen in den USA befragte, blieben ergebnislos. Deshalb ist davon auszugehen, dass es ein Körperspendeprogramm für diese Ausstellung nicht gibt, denn ein solches müsste öffentlich sein. International haben anatomische Ausstellungen ähnlicher Machart, die ebenfalls Plastinate zweifelhafter Herkunft zeigen, bereits mehrfach zu Besucherprotesten und heftiger Medienkritik geführt.

Zur Herkunft der  in den KÖRPERWELTEN gezeigten Plastinate bezieht Gunther von Hagens öffentlich und umfassend Stellung. Alle dort ausgestellten Ganzkörperplastinate stammen aus einem einzigartigen Körperspenderprogramm, das Gunther von Hagens bereits 1983 etablierte. Dies trifft auch für alle Teil- und Organplastinate zu. Die wenigen Ausnahmen beschränken sich  auf Teilplastinate und plastinierte Feten , die als Feuchtpräparate von anatomischen Sammlungen erworben wurden, um so anatomische Kulturgüter vor dem Zerfall zu bewahren und einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Derzeit haben sich weltweit bereits mehr als 8.000 Körperspender bereit erklärt, ihren Körper nach ihrem Ableben der medizinischen Aufklärung von Laien und Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen,. Bevor die Ausstellung KÖRPERWELTEN in die USA ging, wurde das, Körperspenderprogramm von einer unabhängigen Ethikkommission eingehend geprüft und die Ergebnisse veröffentlicht. (Zusammenfassung der ethischen Begutachtung 2004/2005: http://www.koerperwelten.de/Downloads/EthicalReview_dt_030506.pdf)

Alle Nachahmerausstellungen zeigen Präparate, die mittels Plastination hergestellt wurden. Das Plastinationsverfahren wurde 1977 von Gunther von Hagens an der Universität Heidelberg erfunden und seither ständig optimiert. Dabei stand zunächst der Gedanke im Mittelpunkt, die Plastination und damit hergestellte Präparate in der medizinischen Ausbildung einzusetzen. In der Wissenschaft ist die Plastination fest etabliert, weltweit haben 400 Universitäten in 40 Ländern das Verfahren, mit dem Gunther von Hagens zum weltweit führenden Spezialisten auf dem Gebiet der anatomischen Konservierung avancierte, in ihre Lehrpläne integriert.

Das Ausstellungskonzept für die KÖRPERWELTEN-Ausstellung entwickelte Gunther von Hagens erst als Folge seiner wissenschaftlichen Ambitionen, als er das große Interesse medizinischer Laien an seinen anatomischen Darstellungen erkannte. Erklärtes Ziel der KÖRPERWELTEN, die in der Tradition so berühmter Anatomen wie Leonardo da Vinci und Andreas Vesalius stehen, ist die gesundheitliche Aufklärung. KÖRPERWELTEN sind die ersten anatomischen Ausstellungen der Neuzeit, die einem breiten Publikum krankhafte Veränderungen im Vergleich mit gesunden Körpern und Organen zeigten. So demonstriert z. B. eine gesunde Lunge im Vergleich zu einer Raucherlunge, wie wichtig eine gesunde Lebensführung zur Erhaltung der Körperfunktionen ist.

KÖRPERWELTEN bzw. BODY WORLDS sind seit ihrem Auftakt 1995 in Japan mit derzeit drei Wanderausstellungen und über 23 Mio. Besuchern weltweit unangefochtener Branchenführer im Bereich didaktisch und qualitativ hochwertiger Ausstellungen und Exponate. Einmalig in der Welt ist Gunther von Hagens’ PLASTINARIUM in Guben, das unter seinem Dach die Anatomieausstellung KÖRPERWELTEN mit einer „gläsernen Werkstatt“ vereint, in der die Entstehung der Exponate live zu sehen ist.

Informationen zum Körperspenderprogramm des Instituts für Plastination: www.koerperspende.de

Informationen über die KÖRPERWELTEN-Ausstellungen: www.koerperwelten.de

Informationen zum PLASTINARIUM in Guben: www.plastinarium.de

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Ethische Werte sind nicht teilbar - Kulturministerium Potsdam rudert zurück

In der heutigen Ausgabe der Berliner Zeitung (05.09.2007) behauptet der Sprecher des Potsdamer Kulturministeriums, Holger Drews, dass das für von Hagens zuständige Finanzamt Heidelberg festgestellt habe, dass das PLASTINARIUM "eine Aufgabe erfüllt wie vergleichbare Einrichtungen des Bundes, der Länder und Gemeinden."

Diese Behauptung ist nachweisbar falsch. Nicht das Finanzamt Heidelberg, sondern das Potsdamer Kulturministerium hat in einem Brief vom 20. Juli 2007 an die Gubener Plastinate GmbH festgestellt, dass das PLASTINARIUM die gleichen kulturellen Aufgaben erfüllt wie die in § 4 Nr. 20 a Umsatzsteuergesetz genannten vergleichbaren Einrichtungen des Bundes, der Länder und Gemeinden. Im vom Ministerium zitierten Gesetz heißt es unter  § 4. Von den unter § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 fallenden Umsätzen sind steuerfrei: 20. a) die Umsätze folgender Einrichtungen des Bundes, der Länder, der Gemeinden oder der Gemeindeverbände: Theater, Orchester, Kammermusikensembles, Chöre, Museen, botanische Gärten, zoologische Gärten, Tierparks, Archive, Büchereien sowie Denkmäler der Bau- und Gartenbaukunst. Das gleiche gilt für die Umsätze gleichartiger Einrichtungen anderer Unternehmer, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in Satz 1 bezeichneten Einrichtungen erfüllen. Museen im Sinne dieser Vorschrift sind wissenschaftliche Sammlungen und Kunstsammlungen. (Hervorhebungen nicht im Original.)

Der Gesetzestext widerspricht also der Aussage "eines Sprechers des Kulturministeriums" im Tagesspiegel (05.09.2007), das Ministerium habe lediglich bescheinigt, dass für eine Befreiung der Einrichtung von der Umsatzsteuer keine Bedenken bestünden und dass mit dieser Aussage in keinster Weise ein Qualitätsurteil verbunden sei und es um rein steuerliche Belange gehe. Aus dem Gesetzestext ergibt sich, dass das Gegenteil der Fall ist: Das Gesetz darf nur dann angewendet werden, wenn die Landesbehörde bescheinigt, dass die "gleichartigen Einrichtungen", Museen werden ausdrücklich genannt, "die gleichen kulturellen Aufgaben" erfüllen "wie die vergleichbaren Einrichtungen des Bundes und der Länder", wobei als Beispiel auch hier wieder "Museen" genannt werden.
Das Ministerium hat also nach dem Gesetz die Aufgabe, das Vorliegen der Voraussetzungen für die Erteilung der Bescheinigung - nämlich die Erfüllung gleicher kultureller Aufgaben - festzustellen. Zu diesem Zweck muss das Ministerium eine Überprüfung vornehmen, ob es sich um "gleiche kulturelle Aufgaben" handelt. Das Ministerium entscheidet also gerade nicht rein formal, sondern führt eine inhaltliche Beurteilung durch, die unzweifelhaft wertenden Charakter besitzt. Von daher trifft das Ministerium, wenn es die "Erfüllung gleicher kultureller Aufgaben" bescheinigt, sehr wohl eine qualitative Aussage.
Aus den Äußerungen des Ministeriums wird deutlich, dass es den gesetzlichen Auftrag unterschätzt und mit den eigenen Verwaltungsvorgängen offensichtlich nicht hinreichend vertraut ist. Andernfalls würden Zuständigkeiten nicht verwechselt werden, und es wäre klar, welche Institution wofür zuständig ist und wer was konkret bescheinigt hat.

Ich halte den Kommentar des Ministeriums im jetzt verleugneten Brief an das PLASTINARIUM für ethisch höchst fragwürdig. Denn aus den Äußerungen des Ministeriums wird eine Spannung zum Grundgesetz offenbar, die durch die Überzeugung verursacht sein dürfte, dass eine Teilbarkeit ethischer Werte in finanzielle und in Bildungswerte möglich sei. Wenn das Ministerium "der Einrichtung in Guben unter ethischen, künstlerischen und wissenschaftlichen Gesichtspunkten mit größten Vorbehalten" gegenübersteht, so Kulturministerin Johanna Wanka im heutigen Tagesspiegel, so hätte es die Bescheinigung zur Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 20 a Umsatzsteuergesetz nie ausstellen dürfen. Ethische Werte sind nicht teilbar.
Über die Gründe dieser Kommunikationspanne darf spekuliert werden. Entweder wurden tatsächlich finanzielle Erwägungen über ethische Bedenken gestellt oder aber das Plastinarium hat mehr Freunde im Ministerium, als es Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) und Ministeriumssprecher Holger Drews recht ist.
 
Als demokratischer Deutscher hat es mich wiederholt beschämt, von Körperweltenbesuchern in den USA und Kanada auf den brandenburgischen Schulbann angesprochen zu werden. Als besonders peinlich empfinde ich es, dass diese bisher weltweit einmalige anatomische Sehzensur im Wirkungsbereich der ehemaligen DDR, im heutigen Land Brandenburg, realisiert wird, in deren jetziger Kreisstadt Cottbus ich als politischer Häftling der DDR einsaß.
 
5. September 2007
Gunther von Hagens
 
Pressestelle
Institut für Plastination
Rathausstraße 11
D-69126 Heidelberg
E-mail: hd.pressoffice(at)plastination.com

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Plastinator Gunther von Hagens packt in China ein und in Guben aus

Gunther von Hagens hat die Präparation menschlicher Präparate in China beendet. Die Arbeiten werden im brandenburgischen Guben fortgesetzt. Alle zuvor nach China geschickten anatomischen Präparate, die aus dem Körperspendeprogramm des Heidelberger Instituts für Plastination stammen,  sind bereits in Guben eingetroffen. Die in China verbleibende Tierplastination dient dazu, die dort getätigten Investitionen nicht unter Wert verkaufen zu müssen. 
Mit dem Umzug nach Guben wird das dortige PLASTINARIUM zum weltweit größten Plastinationszentrum.
Mit dem Eintreffen der Präparate aus China öffnet heute, am Freitag, den 3. August, 10.00 Uhr die „Größte Pastinateschau“ in Guben ihre Tore. Über 50 Ganzkörperplastinate sind im PLASTINARIUM jede Woche von Freitag bis Sonntag, voraussichtlich bis Ende des Jahres, zu sehen. Danach werden sie Guben in Richtung USA verlassen. 
 
Hier Gunther von Hagens’ Pressebrief zum Thema China und Guben im Wortlaut:
 
“Menschenplastination in China aufgegeben - Größte Plastinateschau jetzt in Guben”

Seit 1993 bin ich als Plastinator in Dalian, China tätig. Dort entstanden die meisten Plastinate der bekannten KÖRPERWELTEN-Ausstellungen. Die Chinesen mit ihrer feinmotorischen Geschicklichkeit garantierten höchste präparatorische Qualität. Über achtzig Wissenschaftler und Präparatoren habe ich über mehrere Jahre in Heidelberg in die Technik der Plastination eingewiesen. 230 Mitarbeiter habe ich in meinem Unternehmen in der chinesischen Hafenstadt Dalian beschäftigt. Doch meine anfängliche Begeisterung ist verflogen. Wegen massiver Schwierigkeiten habe ich jetzt die Plastination menschlicher Plastinate in China ganz aufgegeben. Mir ging es zunächst so wie vielen von China faszinierten Unternehmern. Der großartige Anfang ließ mich jede Vorsicht vergessen: Chinesen sind gelehrig, arbeitsam und geschickt. Die Medizinische Universität Dalian baute mir ein Plastinationsinstitut und meine Tätigkeit als Gastprofessor garantierte Wissenschaftlichkeit. Der damalige Bürgermeister Dalians, Bo XiLai, heute der Handelsminister Chinas, ehrte mich 2001 mit dem Freundschaftspreis der Stadt Dalian. Irritationen darüber, dass sich einige Plastinationsschüler selbständig machten und Plastinate auf eigene Rechnung verkauften, habe ich zunächst nicht wichtig genommen.
 
Doch bald musste ich feststellen, dass ich nicht mehr willkommen war; ein unliebsamer Konkurrent, dessen Know-how man ausreichend abgeschöpft hatte. Bald häuften sich behördliche Schwierigkeiten: Erweitungsbauten wurden abgelehnt und Exporteinschränkungen behinderten die Ausfuhr bereits plastinierter Körperspender. Lokale Behörden drängten mich gar, das Unternehmen ganz aufzugeben. Anonyme chinesische Beschuldigungen, ich hätte mich als deutscher Professor ausgegeben oder ich würde Hingerichtete zur Plastination verwenden, wurden in Deutschland vorschnell für bare Münze genommen und schadeten meinem wissenschaftlichen Ruf. Diesen Unterstellungen konnte ich, wenn auch erfolgreich, nur auf langwierigem Rechtsweg begegnen.
 
Gegenwärtig touren weltweit mehr als fünfzehn chinesische Körperausstellungen. So sind schlechte Kopien meiner Ausstellung KÖRPERWELTEN gegenwärtig in Metropolen wie Las Vegas, New York, Sao Paulo, Prag und Lissabon zu sehen. Ohne Körperspendeprogramm und aus zweifelhafter Quelle verursachen sie vielerorts massive Proteste von Menschenrechtlern. Zuletzt hatte ich das Gefühl, in China neben einem brodelnden Ethikvulkan zu arbeiten. Ich möchte nicht länger mit chinesischen Körperausstellungen verwechselt werden und muss mich von den dort angewandten Praktiken distanzieren. Dies ist mir auch deshalb wichtig, weil ich aus Umfragen weiß, dass die Bevölkerung zu gut zwei Dritteln gegen die öffentliche Präsentation menschlicher Präparate ohne lebzeitige Zustimmung der Spender ist. In China ist die Ablehnung mit 84% am höchsten, gefolgt von Deutschland mit 74% und den USA mit 69%, bei jeweils eintausend Befragten.

Nach gründlicher Prüfung mehrerer Alternativen zum Standort China habe ich mich für Guben als Zentrum für die Plastination silikonisierter Teil- und Ganzkörperplastinate entschieden. Deshalb sollen dort künftig nicht nur Scheibenplastinate, sondern auch Silikonplastinate hergestellt werden. Guben wird dadurch zum wichtigsten Plastinationsstandort weltweit. Für die Wahl Gubens war entscheidend, dass die örtlichen Behörden und die Gubener Bevölkerung meine Ansiedlung unterstützen. 71% von eintausend befragten Gubenern sprachen sich bereits im vergangenen Jahr für die Herstellung von Silikonplastinaten aus, 72 Gubener sind inzwischen sogar Körperspender für die Plastination geworden. Die Entscheidung, die Silikonplastination ganzer Körper wieder in Deutschland anzusiedeln, wurde durch wichtige Urteile der deutschen Justiz in Plastinationsfragen unterstützt. So habe ich strafbewehrte Unterlassungserklärungen gegen Behauptungen erwirkt, ich sei nicht der Erfinder der Plastination oder würde Hingerichtete plastinieren (Landgericht Berlin AZ 27 O 415/06, 27 O 181/05, 27 O 1013/05). Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim (AZ 0224B-03-03lB) stellte klar, dass meine Ausstellungen nicht zensiert werden dürfen. Vorläufige Urteile, ich würde unberechtigt Titel führen, wurden durch Freispruch neutralisiert (OLG Karlsruhe AZ Ss 294/06, 5 NS 21 Js 20095/).
 
Alle menschlichen Präparate deutscher Körperspender, die ich je nach China geschickt habe, sind in den vergangenen Tagen in Guben eingetroffen. Am Freitag, den 3. August, öffnet heute im Gubener PLASTINARIUM die größte Plastinateschau aller Zeiten eröffnet. Insgesamt 50 Ganzkörperplastinate werden das PLASTINARIUM bevölkern; für das Publikum sind sie jede Woche von Freitag bis Sonntag zu sehen. Da gibt es die aus sieben Plastinaten bestehende Piratengruppe mit Kapitän und Steuermann. Auf einem Schiffsbug strebt eine mittig gespaltenes Plastinat voran. In einem Stahlring rollt ein Athlet durch einen Wasserfall. Eine Frau entledigt sich ihrer Haut, ein Spinnenmann spreizt seine Körperhülle und ein dreifach gespaltener Tennisspieler schlägt auf. Die große Plastinateschau wird in der öffentlichen Werkstatt in Guben präsentiert, wo die Plastinate noch optimiert werden. So müssen noch Präparateoberflächen versiegelt werden, auch fehlen noch die Beschriftungen, das wissenschaftliche „Make-up’’ der Plastinate. Erst gegen Ende des Jahres werden die neuen Plastinate Guben verlassen. 

Auch viele halbfertige Plastinate sind in Guben angekommen. Sie warten in brummenden Kühlcontainern auf ihre Fertigstellung. Der Know-how Transfer zur Fertigung der Menschenplastinate, diesmal von China nach Guben, ist bereits in die Wege geleitet. Chinesische Spezialisten sollen dem wachsenden Gubener Plastinateteam das dafür notwendige Wissen vermitteln. Deshalb werden weitere Plastinationsassistenten für anatomische Darstellungskurse in Guben gesucht. In meinem chinesischen Labor werden jetzt nur noch Tiere plastiniert. Ob sich das langfristig lohnt, wird sich zeigen.”

3. August 2007
Gunther von Hagens
 
Pressestelle
Institut für Plastination
Rathausstraße 11
D-69126 Heidelberg
E-mail: hd.pressoffice(at)plastination.com

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FREISPRUCH FÜR GUNTHER VON HAGENS!

Stellungnahme von Plastinator Gunther von Hagens zum Freispruch im Titelstreit:

“Ich freue mich und bin erleichtert, dass ich vom Vorwurf des Titelmissbrauchs freigesprochen wurde. Als Erfinder der Plastination und Schöpfer der KÖRPERWELTEN, der sich nicht gerade des Wohlwollens der Angepassten erfreut, war es mir wichtig, von der deutschen Justiz fair behandelt zu werden. Das Oberlandesgericht stellt fest, dass der von der chinesischen Universität verliehene Titel einem deutschen Professorentitel gleichwertig ist.
Mir liegt nichts an Orden- und Ehrenzeichen und mir hätte es daher auch fern gelegen, einen „deutschen“ Professorentitel vorzutäuschen. Nun bescheinigt das Strafgericht, dass ich mich selbst nicht als Professor bezeichnet habe. Angesichts der jahrelangen und weltweiten Berichterstattung stellt der Freispruch im Titelstreit meinen guten Ruf als Wissenschaftler wieder her.”
 
In dem über vier Jahre währenden Verfahren wurde Gunther von Hagens von einem Team von Straf- und Verwaltungsrechtsexperten der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz vertreten. Diese konnten nachweisen, dass die mangelnde Kenntnis der deutschen Hochschulgesetze durch die Beamten mehrerer Landesministerien zu der nunmehr als haltlos erkannten Klage geführt hatte.

27. Juli 2007
Pressebüro
Institut für Plastination

Die Pressemitteilung des Oberlandesgericht finden Sie im Internet unter www.olg-karlsruhe.de.

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